So richtig glücklich sind die Hausärzte in Deutschland nicht mit den Arztbriefen, die sie aus den Kliniken erhalten. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Demnach treffen die Arztbriefe oft nicht nur verspätet ein, die Hausärzte erfahren auch erst spät von Änderungen im Medikamentenplan. Sie beklagen zudem, dass die Klinikärzte ihre Entscheidungen nicht immer ausreichend begründen.

Viele Patienten erhalten anlässlich einer Krankenhausbehandlung neue Medikamente. Diese Entlassungsmedikation ist ein wichtiger Bestandteil des Arztbriefes. Wenn er verspätet eintrifft, kann dies die nahtlose Versorgung des Patienten gefährden, schreibt Dr. med. Gisela Schott von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin. Worin die Schwierigkeiten derzeit liegen, hat die Expertin mit Mitarbeitern der Berlin School of Public Health und der Universität Freiburg in einer Umfrage unter 516 Hausärzten genauer untersucht.

Arztbriefe schneller übermitteln

Die Mehrheit der Hausärzte erhält laut der Umfrage die Informationen zur Entlassmedikation erst an dem Tag, an dem der Patient mit dem Arztbrief in die Praxis kommt. Vorteilhafter wäre es sicherlich, wenn der Arztbrief schon vor dem Patienten in der Praxis wäre. Dann könnte der Hausarzt die Medikation bereits vorbereiten. Ein Drittel der Ärzte gab allerdings an, dass die Arztbriefe oft sogar noch später eintrafen, weil die Klinikkollegen sie verspätet erstellten und mit der Post verschickten. Dr. Schott sieht darin eine ernsthafte Gefahr für die nahtlose Patientenversorgung. Sie begrüßte es deshalb, dass die Mehrheit der Hausärzte eine elektronische Übermittlung bevorzugen würde. Die meisten der befragten Ärzte gaben an, dass sie den Arztbrief am liebsten per Fax erhalten würden. Dr. Schott fordert die Krankenhäuser deshalb auf, ihr Entlassungsmanagement dahingehend zu prüfen, ob Arztbriefe vorweg per Fax verschickt werden könnten. Eine Übermittlung per E-Mail, die etwa in den Niederlanden üblich ist, wünschten nur 9 % der Befragten. Dr. Schott vermutet, dass technische und datenrechtliche Gründe für die reservierte Haltung der deutschen Mediziner verantwortlich sind. Erste Pilotprojekte hätten jedoch gezeigt, dass die internetbasierte Kommunikation verbessert werden könnte.

Mangelnde Angaben zu Medikamenten

Auch der Inhalt der Arztbriefe ist nach Ansicht der meisten Hausärzte verbesserungswürdig. Für fast 80 % war es wichtig, dass die Klinikärzte im Medikationsplan den Wirkstoffnamen erwähnen. Aber nur etwa die Hälfte gab an, dass der Wirkstoff häufig oder sehr häufig im Arztbrief genannt wird. Nahezu 50 % der Hausärzte beklagten, dass die Klinikärzte nur selten oder nie Gründe für die Medikationsänderungen angeben. Pharmazeutische Hinweise, etwa zur Therapiedauer, den Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder zum Risiko unerwünschter Arzneimittelereignisse, vermissten mehr als zwei Drittel der Befragten, obwohl die meisten diese Informationen für wichtig oder sehr wichtig hielten. Detaillierte Angaben zum Medikationsplan und ihre Begründungen sowie pharmazeutische Hinweise könnten die Hausärzte in ihrer Weiterbehandlung des Patienten unterstützen und damit eine kontinuierliche und sichere Arzneimitteltherapie fördern, betont Dr. Schott.

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Kliniken verordnen oft teure Arzneimittel

Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass die Hausärzte die Entlassungsmedikation nicht immer übernehmen können. Einige Medikamente, wie z. B. Schlafmittel, benötigen die Patienten nach der Entlassung nicht mehr, bei anderen muss der Hausarzt aus Budgetgründen nach kostengünstigeren Alternativen suchen. Der Umfrage zufolge sieht sich ein Drittel der Hausärzte gezwungen, die Medikationspläne aus dem Krankenhaus häufig wieder umzustellen, fast die Hälfte tut dies zumindest gelegentlich. 70 % der Hausärzte nannten als Grund hierfür die Kosten. Denn Klinikärzte hätten meist keine Vorstellung davon, wie das Arzneimittelbudget von Hausärzten aussieht. So kann es für Hausärzte durchaus eine Rolle spielen, ob ein vergleichbar gut wirkendes Arzneimittel 15 oder 40 Euro kostet. Letztlich ist es dann auch für Patienten oft verwirrend und nicht nachvollziehbar, warum der Hausarzt etwas anderes verordnet als das Krankenhaus.

Für Dr. Schott ist dies Ausdruck einer schlechten Abstimmung zwischen den beiden Versorgungssektoren. Als mögliche Maßnahme schlägt sie die Erstellung gemeinsamer Arzneimittellisten von Vertrags- und Krankenhausärzten vor. Dies könnte verhindern, dass die Hausärzte einige Medikamente allein aus Budgetgründen wieder absetzen.

Dr. Ingolf Dürr

Quelle:
Schott G et al. (2015) DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 140 (8); e74-e79