Frage: Ist bei Patienten mit serologisch und histologisch bestätigter Zöliakie, die bereits auf eine glutenhaltige Kost verzichten, eine serologische Verlaufskontrolle mittels Titerbestimmung der Transglutaminase-Antikörper sinnvoll?

Antwort:

Bei der Verdachtsdiagnose einer Zöliakie sind primär serologische Untersuchungen indiziert. Eine ausreichend hohe Spezifität und Sensitivität bei der Diagnostik der Zöliakie besitzen die Gewebs-Transglutaminase-IgA-Antikörper (tTG-IgA-Ak) (ELISA) und die Endomysium-IgA-Antikörper (EmA-IgA-Ak) (indirekte Immunfluoreszenz). Eine Bestimmung des Gesamt-IgA ist zum Ausschluss eines IgA-Mangels notwendig, weil bei Vorliegen eines IgA-Mangels Endomysium- und Transglutaminase-IgA-Antikörper nicht nachweisbar sein können Der Zeitraum, in dem die Antikörper unter einer glutenfreien oder stark glutenreduzierten Diät negativ werden, ist sehr unterschiedlich, er kann Wochen, aber auch viele Monate, in einigen Fällen sogar Jahre betragen und hängt von verschiedenen Faktoren ab (initiale Höhe der Antikörper, Grad der Zottenatrophie, genetische Disposition, Diätadhärenz, Sensitivität gegenüber Spuren von Gluten). Die S2k-Leitlinie der DGVS beantwortet die gestellte Frage wie folgt:

Personen mit Zöliakie unter GFD sollen regelmäßig ärztlich untersucht und der Ernährungsstatus erhoben werden. Die Untersuchung schließt eine Befragung zu Symptomen und zur Einhaltung der Diät, eine körperliche Untersuchung mit Erhebung des BMI und die Bestimmung von Zöliakie-spezifischen Antikörpern ein. Bei Kindern und Jugendlichen sollen zusätzlich Längenperzentile und die Pubertätsstadien bestimmt werden [starker Konsens, starke Empfehlung].

Bei klinischen Zeichen oder Symptomen, erhöhten Zöliakie-spezifischen Antikörpern oder diätassoziierter Malnutrition sollte die Diagnostik individuell erweitert werden und/oder eine erneute Ernährungsberatung erfolgen [starker Konsens, Empfehlung].

Auch bei Erwachsenen scheinen jährliche Kontrollen die Adhärenz zur Diät zu erhöhen. Eine Seropositivität war unter einem solchen Überwachungsprogramm nur bei 1 % der Betroffenen zu beobachten. Allerdings gibt es keine klaren Daten zum Umfang des Monitorings, weshalb die Empfehlungen in verschiedenen Leitlinien variieren. Bevor eine bessere Evidenz vorliegt, scheinen Kontrollen im Jahresabstand sinnvoll. Erneute Biopsien oder eine Knochendichtemessung sind bei beschwerdefreien Betroffenen und normalisierten Laborparametern im Verlauf nicht notwendig.



Autor:

Univ.-Prof. Dr. med. Elke Roeb

Schwerpunkt für Gastroenterologie
Zentrum für Innere Medizin
Justus-Liebig-Universität Gießen
35396 Gießen