Bei der Trigeminusneuralgie handelt es sich um eine äußerst schmerzhafte Erkrankung unbekannter Ursache. Zur Behandlung stehen Medikamente wie Carbamazepin und invasive Verfahren wie die mikrovaskuläre Dekompensation, die stereotaktische Radiochirurgie oder Eingriffe am Ganglion Gasseri zur Verfügung.

Die Trigeminusneuralgie ist durch blitzartig einschießende stechende Schmerzen im Versorgungsbereich eines oder mehrerer Äste des fünften Hirnnerven gekennzeichnet. Die paroxysmalen Attacken dauern einige Sekunden, seltener auch bis zu zwei Minuten an. Zwischen Zeiträumen mit Schmerzattacken liegen Remissionsphasen von Monaten oder Jahren, die bei zunehmender Erkrankungsdauer häufig kürzer werden. Die Attacken werden durch alltägliche Reize wie Essen, Sprechen, Zähneputzen oder die Berührung eines bestimmten Gesichtsbereichs ausgelöst. Die Diagnose erfolgt ausschließlich anhand der Anamnese. Die neurologische Untersuchung fällt meist normal aus.

In den USA liegt die altersadjustierte jährliche Inzidenz der Trigeminusneuralgie bei 5,9 pro 100 000 Frauen und bei 3,4 pro 100 000 Männer. Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Bei Frauen gilt Bluthochdruck als Risikofaktor, bei Männern ist diese Verbindung weniger offensichtlich.

In einem Literaturreview evaluierte ein britisch-amerikanisches Wissenschaftlerteam die Wirksamkeit der verfügbaren Behandlungsoptionen. Die Forscher schlossen in ihre Untersuchung 14 randomisierte kontrollierte Studien (RCT), systematische Reviews und Beobachtungsstudien guter Qualität ein.

Carbamazepin

Carbamazepin gilt als Goldstandard zur Behandlung der Trigeminusneuralgie. Das Antiepileptikum lindert wirksam den Schmerz, ist jedoch mit unerwünschten Wirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel, Obstipation und Ataxie verbunden. Beim Beginn oder bei der Beendigung der Behandlung sollte die Dosis schrittweise verändert werden, um das Risiko für unerwünschte Wirkungen möglichst gering zu halten. Zu Beginn der Behandlung ist bei den meisten Patienten aufgrund der Induzierung von Leberenzymen nach etwa drei Wochen eine Dosisanpassung erforderlich. Zur Beurteilung der Langzeitwirksamkeit über 5 bis 16 Jahre ist die Datenlage unzureichend.

Oxcarbazepin

Oxcarbazepin stellt bei der Trigeminusneuralgie ebenfalls eine wirksame Option dar. In Skandinavien ist Oxcarbazepin das First-Line-Medikament und in Nordamerika die zweite Wahl nach Carbamazepin. In einem nicht systematischen Review zu drei randomisierten kontrollierten Studien mit 130 Personen waren Oxcarbazepin und Carbamazepin mit einer ähnlichen Schmerzlinderung verbunden.

Baclofen

Bei Patienten mit Multipler Sklerose (MS) und Trigeminusneuralgie kann Baclofen von Nutzen sein. Viele MS-Patienten erhalten bereits Baclofen, sodass ihre Schmerzen mitunter ohne zusätzliches Carbamazepin kontrolliert werden können. Baclofen ist mit einer vorübergehenden Sedierung und einem Verlust des Muskeltonus verbunden. Bei abruptem Absetzen kann es zu Krämpfen und Halluzinationen kommen.

Lamotrigin

Lamotrigin wird häufig bei Patienten angewendet, die Carbamazepin nicht vertragen oder bei denen die Wirksamkeit von Carbamazepin nachlässt. Als unerwünschte Wirkungen wurden Benommenheit, Schwindel und Obstipation beobachtet. Bei schneller Erhöhung der Dosis kann es auch zu schweren Hautausschlägen und allergischen Reaktionen kommen. Lamotrigin muss daher langsam hochtitriert werden und eignet sich nicht für den Akuteinsatz. Das Medikament ist am wirksamsten bei einer langfristigen Kontrolle moderater Schmerzen.

Weitere Medikamente

Die Wirksamkeit weiterer Antiepileptika wie Phenytoin, Clonazepam, Natriumvalproat oder Topiramat bei einer Trigeminusneuralgie ist bislang nicht durch RCT guter Qualität oder durch Reviews belegt. Gabapentin ist zwar zur Behandlung neuropathischer Schmerzen geeignet, im Zusammenhang mit der Trigeminusneuralgie ist die Evidenz jedoch unzureichend.

Zur Wirksamkeit des Muskelrelaxans Tizanidin liegt ebenfalls keine ausreichende Evidenz vor. Proparakain-Augentropfen ließen zunächst in offenen Studien eine Wirksamkeit vermuten. In der einzigen RCT konnten sie jedoch innerhalb von 30 Tagen die Schmerzen einer Trigeminusneuralgie nicht besser lindern als Plazebo.

Behandlung peripherer Nerven

Zur Behandlung peripherer Nerven mit Akupunktur, Kryotherapie, Laserchirurgie oder einer Nervenblockade wurden bislang keine RCT durchgeführt. Aus Beobachtungsstudien geht jedoch mit ausreichender Evidenz hervor, dass diese Optionen die Schmerzen nur für wenige Monate lindern können.


Optionen zur Behandlung der Trigeminusneuralgie

Wirksame Therapien:
  • Carbamazepin (Tegretal® und Generika)
  • Oxcarbazepin (Trileptal®, Apydan®)
  • Baclofen (Lioresal®, Bac­lofen Meduna®Intrathekal)

Nutzen und Risiken sind abzuwägen:
  • mikrovaskuäre Dekompression

Optionen mit ungeklärtem Stellenwert:
  • Lamotrigin (Lamictal® und Generika), Phenytoin (Phenhydan®), Clonazepam (Rivotril®), Natriumvalproat (Depakine® und Generika), Gabapentin (Neurontin® und Generika), Topiramat (Topamax® und Generika), Tizanidin (Sirdalud®)
  • Behandlung peripherer Nerven (Akupunktur, Kryotherapie, Laserchirurgie, Nervenblockade)
  • stereotaktische Radiochirurgie
  • relativ neue Verfahren: neurochirurgische Ablationstechniken am Ganglion Gasseri (perkutane Radiofrequenzthermokoagulation, Glyzerolrhizolyse, Ballonkompression)

Unwirksame Optionen:
  • Proparakain-Augentropfen

Mikrovaskuläre Dekompression

Bei der mikrovaskulären Dekompression werden alle Gefäße, die den Trigeminusnerv durch Druck schädigen oder ihn eng kontaktieren, etwas verlagert und ggf. durch die Einbringung eines Polsters vom Nerv ferngehalten. RCT liegen zwar nicht vor, in Beobachtungsstudien guter Qualität waren jedoch 70 bis 80 % der Patienten auch fünf Jahre nach diesem Eingriff schmerzfrei. Als schwerste unerwünschte Wirkung wurde bei bis zu 10 % der Teilnehmer ein ipsilateraler, manchmal dauerhafter Hörverlust beobachtet. Weitere Nebenwirkungen waren aseptische Meningitis, Infarkt, Hämatome und der Austritt von Zerebrospinalflüssigkeit.

Stereotaktische Radiochirurgie

Mit Hilfe der stereotaktischen Radiochirurgie wird der Trigeminusnerv teilweise zerstört und so die Schmerzleitung unterbrochen. Bei diesem Verfahren kann es in der Folge zu Taubheitsgefühlen und Parästhesien kommen. Auch ist zu beachten, dass die Schmerzlinderung meist nicht sofort einsetzt.

In einer Kohortenstudie mit 80 Patienten wurden mikrovaskuläre Dekompression und stereotaktische Radiochirurgie verglichen. Bei der mikrovaskulären Dekompression war der Patientenanteil mit verminderten Schmerzen sowohl sofort nach der Behandlung signifikant höher (100 % vs. 78 %) als auch zwei Jahre (88 % vs. 80 %) und fünf Jahre (77 % vs. 45 %) später.

Eingriffe am Ganglion Gasseri

Zu den neurochirurgischen Ablationstechniken am Ganglion Gasseri gehören die perkutane Radiofrequenzthermokoagulation, die Glyzerolrhizolyse und die Ballonkompression. Zu diesen relativ neuen Verfahren fanden die Autoren keine RCT mit einem Vergleich zu Plazebo oder zu anderen Behandlungsoptionen.

In einem Review aus dem Jahr 2003 zu Beobachtungsstudien mit insgesamt 2 077 Patienten wies die Radiofrequenzthermokoagulation höhere Raten einer vollständigen Schmerzlinderung im Vergleich zur Glyzerolrhizolyse und zur stereotaktischen Radiochirurgie auf, allerdings auch die höchste Komplikationsrate.

Petra Stölting


Quelle:
Zakrzewska J, Linskey M: Trigeminal neuralgia. BMJ Publishing Group 2009, Clinical Evidence 2009; 03: 1207.

Interessenkonflikte: Einer der beiden Autoren hat an Studien und Reviews zur Trigeminusneuralgie mitgewirkt.

Genehmigter und bearbeiteter Nachdruck aus Ars medici 20/2014