Das Engegefühl im Schlund ist nicht angenehm – und es macht Angst. Um eine maligne Erkrankung auszuschließen, müssen vor allem zwei Bereiche untersucht werden: Hals-Nasen-Ohren und der obere Magen-Darm-Trakt. Hier einige Tipps, wie man der Ursache des Kloßgefühls auf die Spur kommen kann.

Globus pharyngis kann sowohl Symptom als auch Diagnose sein – allerdings eine Ausschlussdiagnose. Denn oft findet sich für dieses Engegefühl, auch Globussyndrom genannt, keine körperliche Ursache. Offenbar können Stress und Angst zu einer funktionellen Störung der Schlundmuskulatur führen – daher wurde schon früh von einem Globus hystericus gesprochen. Wichtig ist jedoch, gründlich nach einer Ursache für das lästige Symptom zu suchen, nicht nur um eine Tumorerkrankung sicher auszuschließen, sondern auch um dem Betroffenen gegebenenfalls kausal zu helfen.

Was macht man also, wenn ein Patient über ein Kloßgefühl im Hals klagt? Für den Allgemeinarzt ist hier wie so oft die Anamnese das A und O. Folgende Fragen sollten gestellt werden:

Wie lange besteht die Missempfindung schon? Wo genau sitzt der Kloß? Mittig oder seitlich?
Das Globusgefühl wird meist als zentral sitzende Empfindung oberhalb des Brustbeins beschrieben.

Ist dieses Gefühl ständig da oder kommen und gehen die Beschwerden? Haben sich die Beschwerden verschlimmert?
Ein persistierendes, progredientes Kloßgefühl gäbe Anlass zur Sorge.

Ist es schmerzhaft?
Bei einem Globus pharyngis sind eher keine Schmerzen zu erwarten.

Schmerzen beim Schlucken (Odynophagie)? Gibt es hierbei Unterschiede zwischen leerem Schlucken, dem Schlucken von fester oder flüssiger Nahrung?
Typischerweise verschlimmert sich das Kloßgefühl bei einem Globus pharyngis beim trockenen Schlucken (Speichel) und macht sich beim Essen und Trinken weniger bemerkbar.

Ziehen diese Schmerzen in die Ohren oder bestehen generell Ohrenschmerzen?
Die Otalgie könnte Ausdruck von projizierten Schmerzen sein, denen Erkrankungen der Mundhöhle (N. trigeminus), des Oropharynx, der Tonsillen (N. glossopharyngeus) oder des Laryngopharynx (N. vagus) zugrunde liegen.

Ist der Patient heiser oder hat sich die Stimme verändert? Bestehen diese Veränderungen ständig, intermittierend oder sind sie progredient?
Wenn ja, sollte ein maligner Prozess beispielsweise am Kehlkopf ausgeschlossen werden, besonders wenn keine stimmliche Überbeanspruchung damit in Zusammenhang zu bringen ist.

Besteht verstärkte Schleimbildung? Läuft die Nase oder ist sie verstopft?
Postnasale Sekretion kann den unteren Rachen reizen und so die Symptomatik verstärken.

Hatte der Patient schon einmal Operationen oder eine Radiotherapie im Kopf-Hals-Bereich? Womöglich wegen eines Krebsleidens?
Wenn ja, besteht ein höheres Risiko für ein weiteres Malignom, vor allem wenn Bestrahlungen stattgefunden haben.

Kommt beim bzw. nach dem Schlucken Speisebrei wieder in die Mundhöhle (Regurgitation)?
Dies könnte auf ein Zenker-Divertikel hinweisen – eine Aussackung im Bereich der Schluckmuskulatur an der Hinterwand des Pharynx oberhalb des Ringknorpels.

Liegen Zeichen einer Dyspepsie vor (Sodbrennen, saures Aufstoßen, Magenschmerzen)? Gastritis oder peptische Ulzera in der Vorgeschichte? Wenn ja, besteht ein Zusammenhang mit scharfen Speisen oder üppigen Mahlzeiten am Abend?
Dyspepsien können sich gelegentlich auch als Globusgefühl äußern.

Raucht der Patient? Trinkt er häufig Alkohol?
Beides steigert das Risiko für Kopf-Hals-Tumoren beträchtlich.

Liegen systemische Symptome vor? Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen?
Alles können unspezifische Hinweise für eine Krebserkrankung sein.

Bestehen verstärkte Stressfaktoren?
Stress und Angst können unerwünschte Auswirkungen auf den Tonus der Larynx-Muskulatur haben und so das Globusgefühl verstärken. Das Kloßgefühl erzeugt Angst (vor Tumoren), die wiederum den Kloß im Hals verstärkt – ein Teufelskreis entsteht.

Warnsymptome bei "Kloß im Hals"
  • Gewichtsverlust
  • Schmerzen
  • Einseitige oder lateralisierende Symptome
  • Otalgie
  • Veränderungen der Stimme
  • Systemische Symptome (Fieber)
  • Risikofaktoren für Malignome wie Rauchen
  • Auffällige Befunde bei der Halsuntersuchung wie Knoten oder Lymphadenopathie
  • Regurgitation oder Dysphagie

Fokus auf Kopf und Hals

Bei der körperlichen Untersuchung konzentriert man sich zunächst auf den HNO-Bereich. Das umfasst die Inspektion und Palpation des gesamten Halsbereiches inklusive der Schilddrüse. Lassen sich Lymphknoten tasten? Zeigen sich Asymmetrien z. B. an den Tonsillen? Gibt es Leukoplakien in der Mundhöhle? Falls der Patient es toleriert, kann die Mundhöhle auch ausgetastet werden, um Verhärtungen festzustellen. Rhinoskopie: Besteht ein postnasales Dripping? Solches könnte zu einer Rachenentzündung beitragen.

Bei veränderter, heiserer Stimme sollte eine Laryngoskopie erfolgen, die aber meist eher Sache des Facharztes ist. Bestehen Ohrenschmerzen und lässt sich eine Entzündung im Bereich des äußeren oder Mittelohres nicht sicher ausschließen, ist ebenfalls der HNO-Arzt gefragt.

Magenprobleme?

Der zweite Bereich der Untersuchung bezieht sich auf den Oberbauch, besonders wenn die Patienten dyspeptische Beschwerden angeben. Denn häufig lassen sich bei Patienten, für die sich in der HNO-Untersuchung kein morphologisches Korrelat für das Kloßgefühl ergeben hat, bei der Gastroskopie pathologische Befunde in der Speiseröhre oder im Magen feststellen. Bei dyspeptischen Beschwerden lohnt auch die probatorische Behandlung mit Protonenpumpenhemmern und zusätzlich mit einem Alginat (z. B. Gaviscon®) – verbunden mit Hinweisen zur Lebensführung, beispielsweise zur Gewichtsreduktion, weniger scharfen Speisen und Alkohol, frühzeitigem Abendbrot etc. Stellt sich bei einer Kontrollkonsultation nach vier bis sechs Wochen darunter keine Besserung ein, sollte die Überweisung zum HNO-Arzt erfolgen.

Erst wenn sich keine Anhaltspunkte (auch beim HNO-Arzt) für einen somatisch-pathologischen Prozess finden lassen, ist die Diagnose Globussyndrom zulässig. Das heißt im Einzelnen, dass die Symptomatik intermittierend auftritt, die Stimme nicht verändert klingt, der "Kloß" in der Mittellinie sitzt, der Schluckakt problemlos und schmerzfrei ist und sonst keine Warnhinweise auf ein Malignom bestehen (vgl. Kasten). Bei diesem Befund können die Patienten beruhigt und ihnen die Angst genommen werden, dass sie an einem Hals-Tumor leiden könnten.

Diese Beruhigung ist oft schon ein Teil der Therapie, besonders wenn bei der Anamnese angegeben wurde, dass das Kloßgefühl im Zusammenhang mit Ängsten oder psychischen Belastungen auftritt oder sich verschlechtert. Ursache kann dann ein (angstbedingter) Spasmus des M. cricopharyngeus, ein laryngopharyngealer Reflux, ein erhöhter Tonus im oberen Ösophagussphinkter oder auch ein gastroösophagealer Reflux sein. Bei diesen mehr psychosomatisch belasteten Patienten kann eventuell ein Psychotherapeut weiterhelfen.

Sollten die Patienten allerdings wieder mit dem Kloßgefühl bei ihrem Hausarzt vorstellig werden, muss der Verdacht auf einen malignen Prozess erneut aufkeimen und zu entsprechender Diagnostik führen.


Quelle:
Foden N et al.: A feeling of a lump; BMJ 2013, 348: f7195


Autorin:
Angelika Ramm-Fischer