Mit ihrem herausragenden reichen Naturerbe ist die Region Burgund-Franche-Comté ein beliebtes Ferienziel für alle, die umweltbewussten Tourismus und geschützte Landschaften lieben. Die Region ist nicht nur für ihre Weinbaugebiete berühmt, sie begeistert auch mit ihren geheimnisvollen Wäldern, ihren Gebirgsmassiven, ihren Flüssen, ihren großen Seen und unzähligen kleinen Gewässern.

Haben Sie schon einmal versucht, mit dem Schwert eine Wendeltreppe zu verteidigen? Nachvollziehen können Sie das zum Beispiel in der mittelalterlichen Burg von Couches im französischen Burgund. War der Verteidiger als letzte Rettung in den Burgturm geflohen, ließ sich von oben der Angreifer mit der rechten Schwerthand schnell ins Jenseits befördern. Der rechtsdrehende Aufstieg bot ausreichend Platz zum Zuschlagen, während der von unten kommende Feind das Nachsehen hatte. Es sei denn, er war Linkshänder. Und kam der angreifende Ritter doch mit dem Leben davon, ging es ab in den Kerker – ein vergittertes Loch, seinerzeit 16 Meter tief. Danach lockte das Lösegeld. Verwahrt wurde es, ebenso wie die Steuergelder der Bauern, in einer hölzernen Geheimtruhe im Turm, auf der der Burgherr, seinen Schatz behütend, Gericht hielt.

Geschichte pur auf Schritt und Tritt

Solche und andere Geschichten weiß das charmante "Burgfräulein" im mittelalterlichen Gewand, Hilarie Matrat, zu berichten, das durch die großräumige Schlossanlage von Couches führt, die an längst vergangene Zeiten erinnert. Da gibt es seit dem 12. Jahrhundert schützende Türme und befestigte Mauern, eine Burgkapelle mit bleiverglasten bunten Fenstern und noch heute begehbare unterirdische Gänge und Gewölbe.

Land für Genießer
Die bei Liebhabern von Natur und altem Stein beliebte Region Burgund-Franche-Comté ist auch ein Traumziel für Feinschmecker und Weinkenner. Die authentische und geschmackvolle Gastronomie lädt zu Hochgenüssen ein mit so berühmten Spezialitäten und Gerichten wie den Weinen aus dem Burgund und dem Jura, dem Johannisbeerlikör, den Käsesorten Comté, Époisses und Cancoillotte, der Wurst aus Morteau, dem pochierten Ei mit Burgundersoße, dem Hähnchen in Gelbweinsoße, dem Gemüseeintopf aus der Comté und dem Gewürzbrot.

Geschichte pur also im Chateau de Couches und so recht geeignet auch für Familienausflüge in die Vergangenheit. Und Mittelalter begegnet dem Besucher in der Region Burgund-Franche-Comté – so groß etwa wie Niedersachsen und gelegen zwischen Südvogesen, Jura-Gebirge und Morvan – auf Schritt und Tritt. Zwischen Weinbergen, weiten Weideflächen und baumbestandenen Hügeln finden sich malerische Dörfer und Städtchen, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. In Cluny, Vézelay oder in Montbéliard kann der Besucher in engen Gässchen kleine Boutiquen oder Antiquitätenbuden entdecken, Straßencafés und winzige Handwerkerläden – versteckt in jahrhundertealten, schmalbrüstigen Häusern, oft blumenbunt geschmückt. Allein im kleinen Montbéliard sind ein halbes Hundert Stadtgärtner unterwegs, um mehrmals im Jahr die Blütenpracht zu wechseln.

Beliebtes Ausflugsziel ist das Städtchen Dole. Schlendert der Reisende am Rhein-Rhone-Kanal mit seinen Kähnen und Hausbooten entlang, beeindruckt das sich im Wasser widerspiegelnde Stadtbild. Eng aneinandergedrängt wachsen die Altstadthäuser zur hochgelegenen Stiftskirche Notre-Dame aus dem 16. Jahrhundert empor. Viele der altehrwürdigen Patriziersitze aus dem 16. bis 18. Jahrhundert sind mit Wappen, Türmchen und Erkern verziert. Handel und Wandel brachten einst Reichtum. Erholsam-romantisch geht es dann im alten Gerberviertel mit seinem lauschigen Kanal zu. Dicht dabei und frei zur Besichtigung liegt das Geburtshaus des bedeutendsten Sohnes der Stadt, Louis Pasteur – Mitbegründer der medizinischen Mikrobiologie.

Reisetipps
Informationen: Fremdenverkehrsamt Bourgogne-Franche-Comté. Da die Großregion Burgund-Franche-Comté erst kürzlich gebildet wurde, gibt es bisher bei deutschen Verlagen keine Reiseführer, die das gesamte Gebiet zusammenfassend darstellen – erhältlich sind solche aber zu Burgund. Deutschsprachiges Informationsmaterial ist bei den örtlichen Ausflugszielen in der Region kaum zu finden, dafür auf Französisch und Englisch.

Anreise: Hochgeschwindigkeitszüge über Frankfurt und Mannheim nach Chalon-sur-Saone, Besancon Franche-Comté TGV und Belfort-Montbéliard TGV. Außerdem günstige Flugverbindungen nach Genf, Basel und Lyon.

Wie überall in den vergangenen Jahrhunderten wurde auch Dole stark gebeutelt, denn die Franzosen schauten mit Begier auf das benachbarte Burgund. In Kriegen zwischen 1479 und 1674 schlugen sie fleißig auf die Habsburger ein, um sich die wohlhabende Stadt einzuverleiben. Auch der französische Kirchenfürst Richelieu war dabei eifrig mit von der Partie. Allein 1636 schrumpfte während einer 80-tägigen Belagerung die Einwohnerzahl von 4.500 auf 662 Bewohner, weiß Stadtkennerin Martine Beuraud zu berichten. Das Ende vom Lied: Dole, die damals bedeutende Hauptstadt der Freigrafschaft Burgund, verlor Hauptstadtstatus, Parlamentssitz, Universität und Münzrecht. Geblieben ist eine liebenswerte Kleinstadt mit heute gerade mal 24.000 Einheimischen.



Autor:
Ulrich Uhlmann