Schon der Name Bali weckt Fernweh. Man denkt an traumhafte Strände und üppig geschmückte Tempel. Und tatsächlich ist die beliebte indonesische Ferieninsel reich an Sehenswürdigkeiten. Und auch die Natur bietet eine große Vielfalt auf kleinem Raum. Dicht bewaldete Vulkankegel erheben sich im Inselinneren, malerische Buchten laden vor allem an der Ost- und Südküste zum Baden ein.

In der Morgendämmerung zeigt sich ein schmaler orange-roter Lichtstreifen am Horizont, als hätte jemand orange Farbe über den Himmel verschüttet. Wolken schieben sich beiseite. Der Vulkan Gunung Agung zeigt sich in seiner Pracht. Nur für einen kurzen Moment. Dichter Nebel steigt aus dem Tal empor und windet sich wie eine Schlange um den über 3.000 Meter hohen Berg. Der Tag bricht an. Die Morgenluft ist frisch und klar, die Natur erwacht langsam zum Leben.

Viele Götter, viele Tempel

In einiger Entfernung erklingt Gamelan-Musik. Ein Klangmuster der Tonfolgen, die mal hell, dann wieder warm und bauchig tönen. Eine spezielle Spieltechnik der Balinesen. Während der Musik legen die Einheimischen ihre Opfergaben an den Strand. Kleine Körbe aus Palmblattstreifen und Bananenblättern geflochten und mit Blumen, Reis und Räucherstäbchen bestückt. Ein Priester betet den Berg und die Götter an. Spätestens jetzt weiß man, dass man in Bali angekommen ist. Über 300 himmlische Wesen soll es auf der 5.600 Quadratkilometer großen Insel geben, die in mehr als 5.000 Gebetsstätten wohnen. Mal sind die Tempel winzig klein und stehen an Straßenkreuzungen, mal auf Reisfeldern oder vor öffentlichen Gebäuden.

In Bedugul, ein Bergsee-Erholungsgebiet auf 1.500 Metern Höhe zwischen den Vulkanen gelegen, wurde der Uluwatu-Tempel auf einer eindrucksvollen Klippe erbaut. Das Innere des Tempels kann nicht besucht werden, dafür gibt es einen weiten Blick über den Indischen Ozean.

Von der trubeligen Hauptstadt …

Dagegen ist es in Denpasar, der Hauptstadt Balis, bunt und grell. Auf dem Puputan-Platz thront eine riesige Statue des Bhatpara Guru, dem Gott der Himmelsrichtungen und zugleich wichtigsten Gott ganz Balis. Das Gewimmel auf dem Markt Pasar Badung scheint ihn nicht zu stören. Folgt man dem Geruch der Räucherstäbchen, mit deren Rauch die Essenzen der Opfergaben zu den Göttern geweht werden, steht man vor den vielen Ständen. Hier werden frisch gefangene Fische, exotisches Obst und Gemüse, duftende Blüten, Gewürze verkauft. Es gibt Holzschnitzereien und Seidenstoffe, wohin man schaut.

… in den Dschungel

Dann wechselt die Landschaft von tropischen Palmen zu saftigen Reisterrassen. Männer und Frauen mit großen, spitz zulaufenden Hüten beugen sich über die Halme, schneiden sie und transportieren die großen Bünde zu den Lastwagen. Dann ist es nicht mehr weit bis ins Zentrum der Insel und nach Ubud, der 8.000-Einwohner-Stadt, die man einst aus diesem Dschungel herausschlug. In den engen Gassen gibt es viele Galerien. Schon in den 1920er-Jahren genoss Ubud einen Ruf für Kunst. Abends, sobald die Touristen und die Einheimischen flanieren gehen, führen in der Halle des Königspalastes grazile Mädchen den Legong-Tanz auf. So war es schon in den frühen 1940er-Jahren, als Walter Spies hier in seinem Haus Vicki Baum und andere Bali-Romantiker empfing.

Wie man auf Bali heiratet

In Tenganan fühlt man sich um einige hundert Jahre zurück in die Vergangenheit versetzt. Die Bali Aga sind Nachfahren der ursprünglichen Balinesen, die hier schon lebten, bevor Bali im 11. Jahrhundert von den hinduistischen Majapahit besiedelt wurde. Es ist eine sehr wohlhabende Gemeinschaft, die ihre Reisfelder von balinesischen Bauern bewirtschaften lässt und sich den Künsten des Webens und Schnitzens widmet. Beim Betreten der Straße hat man das Gefühl, es ist wie jedes Dorf auf der Insel. Die Mauern der Gehöfte sind aus Lehm. Auf den Straßen spielen Kinder, die Alten sitzen vor dem Haus. Alles nichts Ungewöhnliches. Wären da nicht die Frauen, die zum halb offenen Vereinssaal gehen. Auf ihren Köpfen tragen sie Schalen, die mit Pyramiden aus Mangos, Papayas und Blüten verziert sind. Da wo sich regelmäßig der Dorfrat trifft, sitzt das Brautpaar. Beide in kostbare, goldbedruckte und farbenprächtige Sarongs gekleidet, verziert mit Schärpen und Bändern aus Geringsing-Stoff. Die Braut trägt eine goldene Krone auf der kunstvollen Frisur.

Ihr Hochzeitsberater Tsumanta erklärt mir: Die Tage sind nach Zeremonien ausgerichtet, Gebete und Fürsprachen auf eine glückliche Ehe und Zukunft seitens der Angehörigen. Es werden Wünsche und Bitten übermittelt. "Steh zu deiner Frau. Ehre ihre Fruchtbarkeit und Schönheit!" Die Bali Aga sind sehr streng, was die moderne Welt betrifft. Bis vor Kurzem gab es keinen Fernseher, keine Hochzeiten außerhalb der Gemeinde. Denn wer einen Mann oder eine Frau von außerhalb heiratet, muss das Dorf verlassen und ist nicht mehr Teil der Gemeinschaft. Nach dem Besuch des Festes gehe ich bewusster durch den Ort. Ich sehe mir eine Weberei an. Ein uraltes Holzgestell füllt fast einen ganzen Raum. Viele bunte Fäden sind eingespannt. Die Weberin ist beim Hochzeitsfest. Ich kann sie nicht fragen, ob daraus der Geringsing-Stoff entsteht, dem man magische Kraft zuspricht.

Reiseinformationen
  • Allgemeine Informationen: Tourismus-Indonesien
  • Anreise: Mit Singapur Airlines geht es von Frankfurt über Singapur nach Denpasar
  • Reisezeit: Am besten zwischen März (zum balinesischen Neujahrsfest) und November bei Tagestemperaturen um 32 Grad. Von Dezember bis Februar ist Regenzeit. Allerdings regnet es fast nur nachts.
  • Info zum Tempel Pura Luhur Uluwatu: Der Tempel ist nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Da sollte man ein Taxi oder einen privaten Guide nehmen. Um den Touristenmengen zu entgehen, ist es am besten, frühmorgens zu kommen.
  • Hoteltipp: Segara Village in Sanur. Dieses Hotel liegt direkt am öffentlichen Strand von Sanur. Es ist als balinesisches Dorf angelegt. Die Häuser sind verteilt in einer großen, grünen Anlage. Schwimmen im Meer ist allerdings nur bei Flut möglich. Unter anderem bei TUI buchen oder als Pauschalreise.
  • Wer kurzfristig buchen kann: Günstige Angebote auf die Insel Bali bei den Urlaubspiraten.
  • Reiseführer: Baedecker Bali mit großer Reisekarte, 19,90 €.

Entspannen am Strand

Abends zieht es die Touristen nach Sanur zum langen Sandstrand. Wenn nach der Tageshitze eine leichte Brise weht, vermischt sich Gamelan-Musik mit dem Duft multikultureller Küche. Keine zehn Meter entfernt schubsen die Wellen Fundstücke an den Strand, kleine Blüten und Palmenstreifen, die Überbleibsel der Opfergaben. Ein Segelboot tanzt elegant auf dem Wasser.



Autorin:
Heidrun Lange