"Der gute Arzt behandelt die Krankheit, der großartige Arzt behandelt den Patienten, der die Krankheit hat." Dieses Zitat des kanadischen Medizinhistorikers William Osler gilt für den Hausarzt ganz besonders. Keine andere Arztgruppe begleitet ihre Patienten häufig über viele Jahre und Jahrzehnte, erlebt sie gesund, wenn es nur um einen Check-up geht, aber auch chronisch oder schwer krank.

Laut Umfragen haben mehr als neun von zehn Deutschen ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt, und genauso viele sind mit der hausärztlichen Versorgung zufrieden. Ein großer Vertrauensbeweis!

Gleichzeitig werden die Anforderungen an den Hausarztberuf in den letzten Jahren höher. Durch den medizinischen Fortschritt werden Therapieoptionen immer komplexer – da ist es wichtig, dass Hausärzte den Überblick behalten.

Ihre Rolle als Lotsen im Gesundheitswesen können Hausärzte nur dann wahrnehmen, wenn sie sich kontinuierlich weiterbilden und gleichzeitig in der Lage sind, ihren Patienten empathisch und auf Augenhöhe zu begegnen. Mit der Reform des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM-Reform) zum April 2020 fördern wir auch deshalb die sprechende Medizin, vor allem die hausärztlichen Gesprächsleistungen.

Für solche Gespräche braucht es Zeit. Um Ärzte zu entlasten, unterstützen die Krankenkassen seit 2015 flächendeckend die Weiterbildung von Medizinischen Fachangestellten zu nicht-ärztlichen Praxisassistenten. Sie können dort Hausbesuche übernehmen, wo kein Arzt nötig ist. Gerade der Einsatz von Telemedizin wird dieses Delegationspotenzial in der Zukunft noch erheblich erhöhen.

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen wird dem Hausarzt zudem einen besseren Überblick verschaffen: Durch die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) erhält er ab 2021 umfassende Informationen zur Krankheitsgeschichte seiner Patienten. Nachfragen bei Fachärzten wegen fehlender Befunde werden damit der Vergangenheit angehören. Daher sollten Ärzte und Krankenkassen gemeinsam bei den Versicherten für die elek-
tronische Patientenakte werben. Die Hausärzte sollten außerdem die Möglichkeiten, die ihnen die Digitalisierung bietet – wie Videosprechstunden, Telekonsile oder sinnvolle Medizin-Apps für chronisch kranke Patienten –, konsequent nutzen.



Autorin:

© vdek/Georg J. Lopata
Ulrike Elsner

Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Ersatzkassen e. V. (vdek)
10963 Berlin