Die Zahl Drei spielt in alten Mythen und in unterschiedlichen Religionen eine besondere Rolle. Auch in der Diabetologie ist die Drei bedeutsam. Dieser Beitrag beleuchtet sämtliche Facetten des Diabetes mit Blick auf diese spezielle Ziffer.

Für die genannte Stoffwechselerkrankung gibt es an sich schon drei Bezeichnungen: Zuckerkrankheit, Zuckerharnruhr und Diabetes mellitus. Alle drei Begriffe beziehen sich auf die Glukosurie, die natürlich für die Diagnose nicht aussagekräftig ist – hier dient bekanntlich die Hyperglykämie als Diagnostikum. Die Zuckerharnruhr wurde früher vor allem bei der Gutachtenerstellung genutzt. Inzwischen hat sich die allgemeine Bezeichnung Diabetes mellitus durchgesetzt.

Drei Diabetestypen

Wir unterscheiden auch drei Typen des Diabetes: Typ 1, Typ 2 und Typ 3. Der Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die wir an Autoimmunmarkern erkennen und die etwas mehr als 5 % der Diabetiker betrifft. Der Typ 2 beginnt oft, aber nicht immer, mit dem metabolisch-vaskulären Syndrom und geht einher mit einer Insulinresistenz und von Anfang an mit einem relativen Defizit an körpereigenem Insulin. Von hohen Insulinspiegeln zu Beginn des Typ-2-Diabetes sollte man sich nicht irritieren lassen. Eigentlich müssten diese Spiegel sogar noch höher sein, um der Hyperglykämie entgegenzusteuern – demnach besteht hier schon ein Insulinmangel.

Beim Typ-3-Diabetes machen wir drei weitere Formen aus, vor allem den Steroiddiabetes, die Modydiabetestypen und den Diabetes etwa infolge einer Pankreatektomie nach Pankreaskarzinom oder nach einer ausgeprägten chronisch-persistierenden Pankreatitis. Beim Steroiddiabetes ist übrigens die sogenannte Schwellendosis von
7,5 mg obsolet: Es kommt auch darauf an, ob der Patient bereits mit einer Prädiabetessituation vorbelastet ist beziehungsweise wie lange ihm Kortison verabreicht wurde.

Drei Besonderheiten seien hier noch erwähnt: das polyzystische Ovarialsyndrom, das häufig mit Typ-2-Diabetes einhergeht und sonografisch anhand der Testosteronwerte und eines Hirsutismus erkannt werden kann. Dabei handelt es sich bekanntlich um das Wachstum von Haaren an Stellen, die sonst unbehaart bleiben (Unterschied zur Hypertrichose: verstärktes Haarwachstum an ohnehin behaarten Stellen).

Die Modydiabetestypen sind eine Art mildere Diabetesform, für die es früher oder später ebenfalls eine Veranlassung zur Insulintherapie gibt. Und schließlich betrifft der Gestationsdiabetes immerhin knapp 5 % aller Schwangeren. Um diesen zu erkennen, werden in Deutschland Glukosebelastungsproben bei allen Schwangeren in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Der relativ späte Zeitpunkt der Untersuchung ist erforderlich, weil sich erst spät das diabetogene-laktogene Plazenta-
hormon ausbildet, was dann in dem genannten Prozentsatz zu einem Gestationsdiabetes führen kann. Besser wäre es natürlich, wenn der Diabetes oder der Prädiabetes schon früher erkannt würde. Jeder jungen Frau mit Kinderwunsch sollte man eigentlich dazu raten, sich frühzeitig einer entsprechenden Untersuchung zu unterziehen. Als Autoimmunmarker für den Typ 1 gelten übrigens hauptsächlich Inselzell- sowie Insulinantikörper und Glutamatdecarboxylase (GAD). Bei der Häufung solcher Marker ist es zunehmend wahrscheinlicher, dass der Patient einen Typ-1-Diabetes entwickelt.

Zu den Grundlagen des Diabetes zählt zudem die Kenntnis der drei Nährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß. Bei den Kohlenhydraten sollte man Zucker möglichst vermeiden (allenfalls 10 % der Gesamtkalorien, was ungefähr 40 – 60 g Zucker pro Tag entspricht), während man bei den Fetten Öle (z. B. Fischöle) bevorzugen sollte, die Omega-3-Fettsäuren enthalten. Ähnliches gilt für die Eiweißzufuhr. Fisch spielt hier neben Milchprodukten und Fleisch die entscheidende Rolle. Die Kohlenhydratberechnung erlebte drei Nomenklaturen: WBE (Weißbroteinheit), BE (12 Gramm Kohlenhydrate) und KE (Kohlenhydrateinheit) mit 10 bis 12 g Kohlenhydraten. Letzteres hat sich in der Diätetik durchgesetzt.

Bei den Vitaminen sollte man ebenfalls drei Faktoren beachten: Multivitaminpräparate kommen nur dann infrage, wenn nicht mehr genügend Vitamine mit der Nahrung aufgenommen werden können, etwa bei alten Menschen. Vitamin D sollte man immer verabreichen (z. B. zweimal 1.000 i. E. früh bzw. abends), da dieses Vitamin nicht nur der Osteoporose und der Sarkopenie entgegenwirkt, sondern auch einen günstigen Einfluss auf den Diabetes und die Blutgefäße hat. Hervorzuheben ist das Vitamin B12 – von einem Mangel sind hier mehr Frauen als Männer betroffen. Als weitere Risikogruppen gelten u. a. Vegetarier und Veganer, Schwangere und Stillende, Menschen im höheren Lebensalter, Patienten mit Anorexie oder forcierter Kalorienreduktion, Raucher, Patienten mit Folgekomplikationen wie einer Niereninsuffizienz und auch Diabetiker – aber sehr selten – vor allem unter Metformin. Bei Vorliegen einer hyperchromen Anämie sollte man auch den Vitamin-B12-Spiegel bestimmen.

Drei wichtige Elektrolyte

Bei den Elektrolyten seien Natrium, Kalium und Kalzium hervorgehoben. Eine Hyponatriämie kann zum einen auftreten durch die Natriurese (eventuell verursacht durch Gliflozingaben) sowie durch die – erwünschte – hohe Flüssigkeitszufuhr (zwei Liter pro Tag) ohne gleichzeitige Salzzufuhr.

Kalium ist ein sehr wichtiges Elektrolyt. Vor allem nach einer Ketoazidose mit hochgradigem Insulinmangel und konsekutiver Insulingabe, die das Kalium in die Zellen treibt, ist an eine Kaliumzufuhr (z. B. Kaliumchlorid) zu denken. Kalzium ist ebenfalls wichtig, sollte aber nicht in zu hohen Mengen verabreicht werden. In der Regel reicht der Verzehr von Milchprodukten, allenfalls noch ergänzt mit 250 – 300 mg Kalzium als Brausetabletten.

In der Diätetik gibt es drei unumstrittene Maßnahmen:

1) Die kaloriengerechte Kost – vor allem bei Übergewicht – mit weniger zugeführten als verbrauchten Kalorien.

2) Der Verzehr von Kohlenhydraten bevorzugt in Form von Ballaststoffen (Gemüse, Salate, Obst, Vollkornbrot).

3) Der Verzicht auf Rauchen.

Auch drei Blutfette sind zu beachten: HDL, LDL und Triglyzeride. Drei Lipidsenker haben sich bewährt:

1) Statine, die hervorragend das LDL senken und das gute HDL erhöhen.

2) Gegebenenfalls die zusätzliche Gabe von Ezetimib, worunter sich in der IMPROVE-IT-Studie sehr gute kardiovaskuläre Ergebnisse zeigten.

3) Die Behandlung einer Hypertriglyzeridämie mit Fibraten, was ebenfalls nützlich sein kann.



Autor:

© Kirchheim
Prof. Dr. med. Hellmut Mehnert

Forschergruppe Diabetes e.V.
82152 Krailling

Interessenkonflikte: Der Autor hat keine deklariert