Welche medizinischen Geräte stehen in deutschen Hausarztpraxen? Wie hoch ist der Ausstattungsgrad? Aber auch: Wieviel Medizintechnik braucht ein guter Hausarzt? Die Zeitschrift „Der Allgemeinarzt“ hat die von uns bereits 1991 erhobenen Daten mit aktuellen Zahlen von 2015 verglichen. Das Institut des Bewertungsausschusses der KBV hatte jüngst eine "Marktanalyse Geräteaussattung" vorgelegt, die zudem auch die durchschnittlichen Kosten des hausärztlichen Maschinenparks beschreibt.

Die aktuelle Praxisbefragung durch das Institut des Bewertungsausschusses erbrachte neben Daten von Kardiologen, Gastroenterologen, Urologen und Kinderärzten vor allem die Antworten von 219 hausärztlichen Internisten und 340 allgemeinärztlichen Praxen [1]. Erfragt wurden Vorhandensein, Anzahl, Alter und Kaufpreis einer Anzahl von Geräten vom Autoklaven bis zum Sonographie-Großgerät. In der Auswertungs-Tabelle (nächste Seite) wurden bis auf zwei Ausnahmen (Sonographie-Großgerät und Taschendoppler) hausärztliche Internisten (HI) und Allgemeinärzte (AA) als Gruppe zusammengefasst. Internetrecherchen und Befragungen von Händlern zum Kaufverhalten von Ärzten und zur technischen Entwicklung der Geräte dienten der Plausibilisierung der Angaben zu Sonographie- und EKG-Geräten.

Am teuersten ist das Sono

Als wichtigste Geräte des hausärztlichen Versorgungsbereichs erweisen sich Sonographie-Geräte und Geräte für Herz-Kreislauf-Untersuchungen und -Behandlungen sowie Spirometer. Sonographie-Geräte gehören zu den häufigsten und teuersten Geräten in Hausarztpraxen, Sonographie-Leistungen werden prinzipiell von allen in der Analyse befragten Fachgruppen erbracht und abgerechnet.

Bei den hausärztlichen Internisten verfügen 93 % der Praxen über ein Sonographie-Gerät, bei den Allgemeinärzten sind es 59 %. Die Anschaffung von Sonographie-Geräten durch Kauf überwiegt deutlich, Miete bzw. Leasing spielen eine eher untergeordnete Rolle. Der Neupreis von Sonographie-Geräten (Anschaffungsjahr ab 2010) beträgt bei Allgemeinärzten durchschnittlich 14 898 Euro und bei hausärztlichen Internisten 19 930 Euro, wobei der Preisunterschied vor allem in der unterschiedlichen Funktionalität der Geräte begründet liegt. Einfluss hat auch die Lage der Praxis: In der hausärztlichen Versorgung geben Praxen auf dem Land mehr für ihr Sonographie-Gerät aus als Praxen in der Stadt. Allgemein zeigen die Aufwendungen für diese Geräte im hausärztlichen Versorgungsbereich in der Praxisbefragung seit 2008 einen rückläufigen Trend. Dies deckt sich mit der übereinstimmenden Aussage von Händlern, dass die Geräte zunehmend preisgünstiger und leistungsfähiger werden.

Hinweise auf die Nutzungsdauer der Geräte können deren Durchschnittsalter sowie deren aus Kaufpreis und Abschreibungskosten abgeleitete Abschreibungsdauer liefern. Bei Sonographie-Geräten im hausärztlichen Versorgungsbereich liegt die durchschnittliche Abschreibungsdauer bei 6,7 Jahren, das Durchschnittsalter der Geräte beträgt 6,0 Jahre. Farbduplexgeräte nehmen auch bei Hausärzten an Bedeutung zu: Betrachtet man die Neuanschaffungen von Sonographie-Geräten seit 2010, so haben sich 54 % der Allgemeinärzte und 70 % der hausärztlichen Internisten ein Gerät mit Farbduplex angeschafft.

EKG und Blutdruck, Defibrillator und Spirometer

Weitere wichtige Geräte in der hausärztlichen Versorgung sind EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG, Langzeit-Blutdruckmessgerät, Defibrillator und Spirometer. In Praxen von Allgemeinärzten und hausärztlichen Internisten liegt der Neupreis von EKG-Geräten (Anschaffungsjahr ab 2010) im Mittel bei 3 277 Euro. Bei EKG-Geräten werden nach Händlerangaben derzeit überwiegend PC-Geräte verkauft (Geräte ohne Bildschirm und Tastatur, bestehend aus Patientenleitung, Blackbox und Software). Ebenfalls auf Allgemeinärzte und hausärztliche Internisten bezogen liegt der Neupreis von seit 2010 angeschafften Ergometrie-Komplettsystemen bei 10 309 Euro, von Langzeit-EKG-Rekordern bei 1 955 Euro, von Auswertungssoftware für Langzeit-EKGs bei 3 071 Euro, von Langzeit-Blutdruckmessgeräten bei 1 370 Euro, von Defibrillatoren bei 1 389 Euro und von Spirometern bei 1 480 Euro. Das Durchschnittsalter der EKG-Geräte liegt bei 8,7 Jahren, das der Langzeit-Blutdruckmessgeräte liegt mit 6,1 Jahren deutlich darunter.

West und Ost vor 24 Jahren

In mancher Hinsicht aufschlussreich ist der Vergleich der aktuellen Daten mit den Ergebnissen einer Befragung, die der Fachverband Deutscher Allgemeinärzte (FDA) 1991 durchführte und die in der Zeitschrift „Der Allgemeinarzt“ 1992 veröffentlicht wurde [2]. Die umfangreiche Erhebung untersuchte die Strukturen der hausärztlichen Versorgung in den alten und neuen Bundesländern. Neben Daten wie Lage, Größe und wirtschaftlichen Kennziffern der Praxen wurden auch damals die technische Praxisausstattung erhoben.

Kurios mag heute erscheinen, dass vor 24 Jahren in den noch getrennt ausgewerteten alten und neuen Bundesländern nur eine Minderheit der erfassten 341 Allgemeinarzt-Praxen (283 in den alten und 58 in den neuen Bundesländern) über einen Computer verfügte: 48,6 % waren es im Westen und nur 14 % im Osten. Die Dokumentation erfolgte überwiegend mit Karteikarten, Teile der Kommunikationstechnik wirken heute museal: Über ein Fax verfügten gerade mal 16 % der West- und 2 % der Ost-Praxen, es gab „Eurofunk“ und „Praxisfunk“ sowie in 4 % der West-Praxen ein Autotelefon. Kopiergeräte standen immerhin in 68 % der West- und 28 % der Ost-Praxen, Diktiergeräte waren mit 80 % gegenüber 12 % ebenfalls eine Domäne der West-Praxen.

Was ist heute an technischer Ausstattung nötig?

Andererseits zeigt unsere Tabelle, dass die medizinische Geräteausstattung in mancher Hinsicht vor 24 Jahren schon durchaus umfangreich, nur eben nicht digital war. Auch wenn sich die Stichproben nicht direkt vergleichen lassen und auch keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben können (die Rücklaufquote bei der Praxisbefragung 2015 betrug nur rund 12 %), fällt doch auf, dass heute Gerätschaften wie Audiometer, Inhalatoren, Mikrowellen- und Reizstromgeräte, Rekto- und Proktoskop, ja sogar Sonographie-Gerät und Taschendoppler weniger häufig genannt werden als in der Erhebung von 1991.

Welche technische Ausstattung in der modernen Hausarztpraxis tatsächlich nötig und wünschenswert ist, kann eine Statistik natürlich nicht beantworten. Jeder Allgemeinarzt pflegt seine eigene Sicht auf die Wertschätzung des Gesprächs oder die Sinnhaftigkeit von Messwerten, auf die Erfüllung von Patientenerwartungen, die Bandbreite anzubietender Leistungen und die Möglichkeiten von Kooperation und Delegation.

Der Kommentar von Dr. med. Günter Egidi und das Interview mit Dr. med. Frederik Mader beschreiben unterschiedliche Sichtweisen und sollen Anregung zu einer Diskussion sein.

Was meinen Sie dazu?
Möchten auch Sie zur Diskussion beitragen? Schreiben Sie an die Redaktion Der Allgemeinarzt, Stichwort Geräteausstattung, Postfach 2524, 55015 Mainz, E-Mail: info@der-allgemeinarzt.com , Fax: 06131/9607040


Literatur:
1) "Marktanalyse Geräteausstattung", Institut des Bewertungsausschusses, Kassenärztliche Bundesvereinigung, 2015
2) "Zwischen Hausbesuchen und High-Tech", FDA-Exklusiv-Umfrage, Der Allgemeinarzt 5+6/1992


Autor:
Werner Enzmann