Wird die Digitalisierung den Informationsaustausch zwischen den Ärzten verbessern?Allgemeinärzte beklagen oft, von den Spezialisten nicht (in ausreichendem Maße) informiert zu werden, selbst dann nicht, wenn neue Medikamente angesetzt werden. Während einige Fächer, insbesondere die Innere Medizin, nahezu zeitnah Berichte erstellen, so gelten andere Fächer unter uns Hausärzten als notorisch kommunikationskarg. "Stimmt nicht!", entgegnen die Fachärzte. Ihre Gegenklage ist, sie bekämen schließlich zu wenig Informationen von den Hausärzten, es fehlten Befunde, ein ausreichendes Briefing oder eine klare Fragestellung.

Was die sektorenübergreifende Kommunikation anbelangt, so wundern wir Niedergelassenen uns häufig über Krankenhausentlassungsberichte, die erst Wochen später eintrudeln, manchmal sogar so spät, dass der Patient in der Zwischenzeit bereits erneut in derselben Klinik behandelt worden ist. Wenig erfreulich ist auch, wenn uns die Klinik nicht zeitnah über den Tod eines unserer Patienten informiert. Die Entlass-Manager der Krankenhäuser nehmen nur höchst selten vorab mit uns Kontakt auf, sodass wir mit ständig neuen und vielen verschiedenen Pflegediensten kommunizieren müssen oder erst Wochen später eine unverträgliche Medikation konstatieren können. Krankenhausärzte vermissen hingegen relevante Informationen auf den Einweisungsscheinen. Von allen Seiten vernehmen wir Beschwerden, die Kontaktpersonen seien nicht gut genug telefonisch erreichbar.

Wird das mit der Digitalisierung besser? Zumindest sind zukünftig die Anforderungen des Datenschutzes erfüllt, wenn Informationen über KV-SafeNet oder den TI-Konnektor weitergegeben werden. Aber ob dann wirklich mehr Informationen fließen? Der einheitliche Medikationsplan könnte helfen, wenn denn die Verpflichtung, ihn zu nutzen, ernstgenommen würde – und auf die Krankenhäuser ausgeweitet würde oder eben alle Krankenhäuser freiwillig mitmachten. Erst dann würde das Scannen der Medikation deutliche Vorteile zum derzeitigen Stand haben.

Unser aller Praxisalltag wird durch gesetzliche Vorgaben, gewachsene Patientenansprüche, vollere Wartezimmer und einen Mangel an Personal schwerer. Was können wir selbst tun, um diese Dilemmata aufzulösen? Nun, wenn jede und jeder – egal ob in Klinik oder Niederlassung, ob in Weiterbildung, ob Generalist oder Spezialist – alle relevanten Informationen vorab der weiterbehandelnden Kollegin oder dem weiterbehandelnden Kollegen übermittelte und dafür zeitnah alle Informationen erhielte – von der Diagnose bis zum Therapie- oder Diagnostikvorschlag –, die er benötigt, um den Patienten dann seinerseits wieder zu übernehmen, dann wären wir einen großen Schritt weiter: weniger Arbeit, größere Erfolge, dankbare Patientinnen und Patienten.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen im Hamburger Ärzteblatt 05-18



Autor:

Dr. med. Björn Parey

Stellvertretender Vorsitzender der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg
22083 Hamburg
Facharzt für Allgemeinmedizin
Hamburg-Volksdorf