Teenager mit einem Drogenproblem sind auch für den Hausarzt immer wieder eine Herausforderung – zumal die Jugendlichen heute viel einfacher an Drogen kommen als früher: Sie sind u. a. leicht im Netz zu bestellen und kosten relativ wenig. Mit großen Sanktionen ist häufig auch nicht zu rechnen. Eltern und Umgebung bleibt so oft nur eine geringe Chance, den Konsum zu unterbinden. Umso wichtiger ist die Rolle des Allgemeinarztes bei der Unterstützung dieser Risikopatienten.

Die Mutter einer 14-jährigen Patientin kam vor kurzem in meine Sprechstunde. Wegen des Cannabis-, Ecstasy- und Nikotinabusus ihrer Tochter war sie verzweifelt, gab sich aber auch kämpferisch, den exzessiven Drogenkonsum ihres Kindes einzudämmen. Beim Jugendamt, in Drogenambulanzen für Jugendliche und bei der Familienberatungsstelle suchte sie nach Hilfe, erhielt aber keinerlei Unterstützung. Denn ihre Tochter will einfach nicht einsehen, dass sie drogenabhängig ist. Als die Eltern mit Verboten drohen, läuft sie von zu Hause weg. Die eingeschaltete Polizei unternimmt weiter nichts, da den Eltern der Aufenthaltsort ihrer Tochter bekannt ist ...

Eine verzwickte Situation ...

Dieser Fall zeigt, wie wichtig Prävention bei Jugendlichen ist, damit solche Situationen vermieden werden. Auch in der hausärztlichen Praxis sollte deshalb jeder Hinweis auf Drogenmissbrauch erkannt und sofort das Gespräch mit den Heranwachsenden gesucht werden, falls der Eindruck von möglichem oder tatsächlichem Konsum besteht. Die Jugendlichen müssen zudem im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen auf mögliche gesundheitliche Risiken hingewiesen werden.

Damit der Hausarzt diese Maßnahmen erfolgreich umsetzen kann, braucht er ein gutes Grundwissen über häufig konsumierte Drogen. Besonders wichtig ist hier der Verweis auf die Gefahr von Alkohol als Wegbereiter für den Gebrauch weiterer Drogen. Denn der häufig unkontrollierte Alkoholkonsum setzt die Schwelle bei den Jugendlichen herab, andere, neue Dinge auszuprobieren.

Häufig konsumierte Drogen

Cannabis

Bei Cannabis handelt es sich um eine krautartige Pflanze. Die Rauschdroge wird vor allem aus indischem Hanf und Nutzhanf gewonnen. In Cannabispflanzen lassen sich mehr als 60 Cannabinoide nachweisen. Die psychotrope Wirkung wird durch das enthaltene THC (Tetrahydrocannabinol) hervorgerufen. Je höher dessen Konzentration, desto heftiger die Rauschwirkung.

Cannabis kann vielfältig genutzt werden. Als Marihuana (Gras) bezeichnet man die Zubereitung aus getrockneten und zerkleinerten Blättern und Blüten der weiblichen Pflanze. Das Gras wird dann mit Tabak zu einer Zigarette (Joint) gedreht und geraucht. Charakteristisch ist der süßliche Geruch, der durch das Entweichen ätherischer Öle aus den Blättern entsteht. Haschisch (Khif) heißt hingegen das Cannabisharz. Es wird von Drüsenhaaren der weiblichen Blüten sezerniert. Haschisch enthält eine sehr hohe THC-Konzentration und ist deshalb stärker wirksam. Nach der Ernte presst man es zu Platten. Der Konsument krümelt später einzelne Brocken in seinen Tabak und raucht diesen als Joint oder mit speziellen Pfeifen. Man kann die Droge auch als Haschgebäck oder in Alkohol gelöst zu sich nehmen. Anleitungen zum Backen von Haschkeksen findet man übrigens ganz leicht im Internet.

Cannabisöl ist ein Konzentrat dieses Harzes, enthält bis zu 80 % THC, wird aber seltener verwendet. Cannabis-Süchtige inhalieren den Stoff meist, da so der Rauschzustand schnell erreicht wird. Nach oraler Aufnahme, wie durch Kekse, kommt es später zur erwünschten Wirkung, sie hält dafür aber länger an.

Typische körperliche Signale des Cannabiskonsums sind Augenrötungen bei leichter Pupillenerweiterung, Herzrasen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Gangunsicherheit und Hungerattacken. Die Konsumenten werden zudem angenehm müde, verlieren das Zeitgefühl und sind völlig relaxt. Logisches Denken ist weniger möglich. Der regelmäßige Gebrauch macht psychisch und körperlich abhängig – mit typischen Entzugssymptomen.

Ecstasy (MDMA, 3,4-Methylphetamin)

Diese mit dem Amphetamin und Meskalin verwandte Droge wird vor allem oral als Pulver oder Pille eingenommen. Auf dem Markt sind viele Tabletten in unterschiedlichen Farben und Konzentrationen, was die Rauschwirkung in ihrer Intensität unsicher macht. Manche Süchtige konsumieren Ecstasy auch als Pulver über die Nase (Sniefen), da die Wirkung so schneller und intensiver eintritt.

Typische Wirkungen der Droge treten etwa eine Stunde nach Einnahme auf und halten bis zu sechs Stunden an. Zu den körperlichen Symptomen gehören erweiterte Pupillen, verstärktes Schwitzen, Mundtrockenheit, Hochdruck, Herzrasen, Augenzittern und Muskelschmerzen. Die psychische Wirkung zeigt sich in Antriebssteigerung, intensiviertem Erleben und verstärktem Einfühlen in das eigene und/oder fremde Erleben.

Der Ecstasy-Konsum hat schon bei vielen Suchtkranken zu schweren körperlichen Komplikationen geführt, einschließlich Leberversagen.

Pilze (Magic Mushrooms)

Pilze, die psychotrope Substanzen (vor allem Psilocybin und Psilocin) enthalten, werden bei Jugendlichen immer beliebter: "Magic Mushrooms" kann man ebenfalls ganz einfach im Internet bestellen. Sie sind preiswert und lassen sich in Aufzuchtboxen (illegal) zu Hause züchten. Man nimmt sie getrocknet und pulverisiert ein, in Gelatinekapseln oder mit Honig oder Kakao, um den bitteren Geschmack zu überdecken.

Etwa eine halbe Stunde nach Einnahme kommt es zu einem traumähnlichen, meist als sehr angenehm empfundenen Zustand. Die Konsumenten werden euphorisch. Sie erleben verstärkte und verzerrte Sinneseindrücke, zum Teil einen kompletten Realitätsverlust. Nachdem die Pilze eingenommen wurden, gähnt der Konsument meist, ohne müde zu sein. Seine Pupillen sind erweitert, manchmal tritt Mundtrockenheit auf. Einigen Jugendlichen wird übel und schwindelig, sie erbrechen sich. Koordinationsschwierigkeiten und Stürze treten zudem auf. Aber auch Horrortrips werden beschrieben.

Härtere Drogen wie Kokain und Heroin sind bei den Jugendlichen weniger zu finden, da ihre Beschaffung schwieriger und teurer ist.

Fazit

Bei den Vorsorgeuntersuchungen J1 und J2 sollte der Arzt die jungen Patienten auf die Gefahren des Alkoholkonsums als möglichen Wegbereiter für die Einnahme weiterer Drogen hinweisen. Bei nachgewiesenem, gewohnheitsmäßigem Drogenmissbrauch sollten der betroffene Jugendliche und seine Eltern im Kampf gegen die Abhängigkeit unterstützt und der Zugang zu Entzugseinrichtungen erleichtert werden.



Autorin:

Dr. med. Uta Lummert-Brünger

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
31311 Uetze-Hänigsen

Interessenkonflikte: Die Autorin hat keine deklariert