Als ich nach einem kürzeren Praxisurlaub wieder einmal mit der Sprechstunde begann, meinten einige Patienten mit Blick auf mein erholtes Auftreten, ich hätte mir wohl eine exklusive Auszeit in einer standesgemäßen Urlaubsresidenz gegönnt.

"Nichts dergleichen", musste ich da die bohrende Neugier einer Fragerin befriedigen, "ich hatte einen Arbeitsurlaub". In einem großen Haus mit Garten gibt es immer Verbesserungspotenzial, vor allem, wenn man selber gerne heimwerkt und die herzallerliebste Ehefrau architektonisch einfallsreich und gartenaffin geartet ist. So hatte meine Gemahlin schon länger den subversiven Plan eines eigenen Computerarbeitsplatzes in ihrer Arbeitsecke. Dazu müsse schließlich nur ein Datenkabel zu meinem Rechner geführt werden, so flötete sie einschmeichelnd, "ein Klacks für einen Universalhandwerker wie dich".

Prompt war meine archaische, Lob heischende Männerseele gestreichelt und mein Ehrgeiz geweckt. Nur dumm, dass das anvisierte Ziel mehrere Meter Luftlinie, zwei gemauerte Trennwände, ein Treppenhaus und einen Einbauschrank entfernt von meinem Arbeitszimmer liegt. Zuversicht ausstrahlend griff ich mit einem leicht nervösen Bauchgefühl an meinem zweiten, verregneten Urlaubstag entschlossen an, im Blaumann und mit drei verschiedenen Mauerdurchbruchbohrern ausgestattet.

Nachdem Vorbereitung bekanntermaßen alles ist, hatte ich zuvor auf unserem Bauplan die angepeilte Vorstoßrichtung mit wissenschaftlicher Präzision berechnet. Drei Fehlbohrungen später wurde mir klar, dass auch akribische Überlegungen wenig nützen, wenn man das nachträgliche Aufbringen eines anderen Fußbodenbelags im anvisierten Zimmer vergisst und die Höhe der Bohrung falsch kalkuliert.

Nun gut, Irrtum ist menschlich und so habe ich es dann doch noch geschafft, 16 Meter Datenkabel fast unsichtbar dorthin zu führen, wo der nächste PC stehen soll. Belohnt wurde ich mit der süffisanten Bemerkung meiner Frau, die Stunden dürfe man jetzt wohl nicht rechnen.

Aber Erfahrung ist nun mal eine teure Schule und ein langer Weg. Immerhin war dann auch die Regenperiode vorbei und ich konnte bei strahlender Sonne das nächste Vorhaben anpacken: das Verlegen einer etwa 10 Meter langen Böschungsfolie an unserem Gartenteich zum Schutz gegen Unkraut und Hangrutsch.

Zwei Tage gingen so dahin, mit Unkrautjäten, Bodenvorbereitung, Folienanpassung und dem Einschlagen von Dutzenden unterarmlanger Holzheringe zur Fixierung der Folie. Danach war ich körperlich erholungsbedürftig, aber mit mir und der Welt hoch zufrieden.

Gebräunt, dynamisch und motiviert schloss ich nach dem Urlaubsende meine Praxistüre wieder auf. Schon deswegen mag ich diese Arbeitseinsätze: Sie bringen mich auf den Boden und liefern mir am Ende des Tages ein greifbares Resultat. Selbst wenn der Rücken schmerzt, die Hände Blasen haben, Schweiß und Sonne die Haut malträtieren. Die so erreichbare Zufriedenheit ist durch Chillen am Pool einer noch so gepflegten Urlaubsresidenz nicht zu ersetzen. Gartenien sei Dank.


Dies meint Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt