Friedlieb Ferdinand Runge wurde vor exakt 225 Jahren geboren und sein Name zergeht mehr als achtzig Prozent von uns Medizinern förmlich im Mund. Friedlieb wer, fragen trotzdem die meisten von uns und dennoch haben gerade wir Ärzte innigen Kontakt zu einer von ihm entdeckten Substanz, dem Koffein.

Runge war Chemiker und wurde von Johann Wolfgang von Goethe dazu inspiriert, seltene Kaffeebohnen unter die Lupe zu nehmen. Dabei stieß er dann auf das Koffein. Er ist damit natürlich nicht der Erfinder des Kaffees, der nach einer historischen Legende in der äthiopischen Provinz Kaffa von einem Hirten entdeckt wurde. Dieser soll beobachtet haben, dass seine Ziegen die ganze Nacht munter waren, weil sie von einem seltsamen Strauch gefressen hatten, worauf er selbst davon probierte. Der Rest gehört zur Erfolgsgeschichte jenes Heißgetränkes, das am Arbeitsplatz noch vor dem Wasser und dem Tee rangiert und im Welthandel mengenmäßig nur dem Erdöl den Vortritt lassen muss.

Gerade Ärzten wird bekanntermaßen ein über alle Maßen starker Konsum des beliebten Uppers nachgesagt, was ich nach vierzigjähriger Berufserfahrung problemlos unterschreiben kann, ohne rot zu werden. Ich weiß nicht, wie viele Kaffeemaschinen zu Hause und in der Praxis auf dem Altar meiner Sucht geopfert wurden. Kaffee begleitete schon meine Studienzeit und selbst im Nachtdienst konnte ich nach zwei frisch gebrühten Tassen Kaffee morgens um drei Uhr wieder bestens einschlafen.

In der Praxis gab und gibt es kaum eine größere Katastrophe als der unerwartete Ausfall der Kaffeemaschine, noch weit vor dem Telefon und dem Computer. Damit scheine ich in guter Gesellschaft zu sein, denn immerhin war dieses Thema dem renommierten British Medical Journal eine Publikation wert. Darin wurde die Bezahlhistorie von 766 Klinikärzten in der Mensa des Kantonsspitals St. Gallen analysiert und prompt ein Volltreffer lebensnaher Forschung gelandet: Im untersuchten Ärztekollektiv waren nur 16 % Nicht-Kaffeetrinker, männliche Ärzte konsumierten dabei rund 30 % mehr Kaffee als ihre Kolleginnen.

Allerdings beziehen sich diese Zahlen nur auf den Verbrauch in der Klinik, der häusliche (Bei-)Konsum konnte dabei ebenso wenig geklärt werden wie die Frage, in welchem Umfang diese Zahlen auch auf den durchschnittlichen Hausarzt übertragbar sind. Da scheint noch Forschungsbedarf zu existieren.

Erfreulicherweise belegen aber immer mehr Studienergebnisse, dass Kaffeekonsum Herzerkrankungen, Parkinson, Alzheimer, Typ-2-Diabetes sowie einige Krebsarten reduzieren und vorbeugend gegen Haarausfall und geschwollene Augenpartien wirken kann. Diese Symptome sind Kassenärzten bestens bekannt: wenn wir uns etwa nach der stundenlangen, ermüdenden Lektüre von Regressforderungen und sinnlosen Neuregelungen die Augen reiben und die Haare raufen müssen.

Kein Wunder also, dass wir deshalb mit dem traditionellen sächsischen Schlachtruf aller Koffeinjunkies das tägliche Ringen eröffnen: "Ohne Gaffee gönn mer nich gämpfn!"


Dies meint Ihr Fritz Meyer, Allgemeinarzt