Niedergelassene Ärzt:innen stehen wieder bereit, die Infektionswelle zu brechen. Kinder- und Jugendarztpraxen befinden sich am Rande der Überlastung.

Respiratorische Atemwegerkrankungen befanden sich bereits Ende November auf höchstem Stand seit zwölf Monaten.

Auf Grundlage des im Mai 2019 in Kraft getretenen Terminservice- und Versorgungsgesetzes haben die KV seit Januar 2020 bis zum 28. November 2022 rund 3,43 Millionen Anrufende erst eingeschätzt und in eine angemessene medizinische Versorgung vermittelt. Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) wertet die Daten der Strukturierten medizinische Ersteinschätzung in Deutschland über die Patientenservice-Nummer 116117 regelmäßig aus. Diese erlauben einen tagesaktuellen Tiefenblick in das Krankheitsgeschehen in Deutschland.

In den letzten Jahren haben diese spezifischen Daten das Auftürmen und das Brechen von COVID-19-Infektionswellen bereits gut nachzeichnen können. Aktuell zeigen die Assessmentdaten einen vergleichsweise frühen Anstieg von grippalen Infekten in der Bevölkerung, der von den niedergelassenen Ärzt:innen derzeit in den Praxen behandelt werden muss. In der letzten Woche (21. bis 27. November 2022) war die Aktivität respiratorischer Erkrankungen in Deutschland nach den vom Zi ausgewerteten Daten um 82 % gegenüber der Hintergrundaktivität erhöht. Im Verlauf der letzten zwölf Monate lag der bisherige Höchststand der Aktivität in der Woche vom 14. bis 20. März 2022 (74 %). Im Verlauf des gesamten letzten Winters hat das Zi keine höhere Aktivität respiratorischer Erkrankungen beobachtet. Zwei von fünf Anrufenden mit akutem Behandlungsbedarf konsultieren die 116117 aktuell aufgrund von Symptomen respiratorischer Erkrankungen (38,7 %). Die dazugehörige Grafik (siehe Abbildung links) zeigt, dass Fieber, Husten und Atembeschwerden die häufigsten Beschwerdebilder sind.

„Die Daten der strukturierten medizinischen Ersteinschätzung zeigen, mit welchen Beschwerden sich gesetzlich Versicherte an die Servicenummer 116117 zur Vermittlung eines konkreten Versorgungsangebots wenden. Derzeit werden rund 140.000 telefonische Ersteinschätzungen monatlich geleistet, mit steigender Tendenz. Da die meisten Anrufe außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten erfolgen, werden die meisten dieser Anliegen, ausgenommen von Notfällen für den Rettungsdienst oder Krankenhausnotaufnahmen an den ärztlichen Bereitschaftsdienst weitergeleitet. Insofern stehen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sowie Bereitschaftspraxen nicht nur während, sondern auch außerhalb der Praxisöffnungszeiten bereit, die in diesem Jahr ungewöhnlich frühe und überaus starke Infektionswelle, die sich in den Ersteinschätzungsdaten abbildet, zu brechen. Das Praxispersonal hatte kaum Zeit zur Erholung von den Anstrengungen der Pandemieeindämmung. Jetzt ist es bereits wieder voll gefordert. Besonders die Kinder- und Jugendarztpraxen stehen schon am Rande der Überlastung. Zudem kämpfen auch die Praxen mit stark steigenden Kosten. Von der Politik wünschen sich die Niedergelassenen daher, dass sie die so wichtige Arbeit der Praxen vor Ort anerkennt“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.

Zi-Dashboard mit allen aktuellen Informationen: http://smed.ziapp.de

Grafik (siehe Abbilddung links): Anteil der vom 1. August bis 21. November 2022 über die 116117 medizinisch ersteingeschätzten Anrufer:innen mit Symptomen akuter Atemwegsinfektionen (in Klammern: Unterschied zum Vorjahreszeitraum).


Quelle
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi)