Hausarztpraxen sind in der aktuellen Situation besonders gefordert. Gefordert und gefragt sind also gerade die Kolleginnen und Kollegen, die in den letzten Jahren um das Bestehen und vor allem um Nachwuchs kämpfen. Diejenigen, deren Image ein Problem hat. Es beruhigt, dass gerade Hausärzte für das Thema Coronavirus so entscheidend sind. Eine bessere Aufwertung kann der Beruf nicht erfahren – dies täglich und auf höchster politischer Ebene.

Hausärzte erreichen die Patienten direkt, genießen Vertrauen. Nicht zuletzt durch das große Verantwortungsbewusstsein gegenüber den anvertrauten Patienten. Aufklärung und Erklärung sind die Basis des täglichen Handelns. Hausärzte als erste Anlaufstelle zu nennen, ist daher durchaus folgerichtig. Bewusst sollte aber auch allen Verantwortlichen sein, dass die "normale" Praxis-Telefonnummer in Arztpraxen häufig auch ohne eine Corona-Situation schon überlaufen ist. Dass die Gesundheitsämter oder die bundeseinheitliche 116 117 aushelfen, ist da nur logisch. Maßnahmen, die in jeder Praxis aktuell leicht umzusetzen sind, wären die Einrichtung einer zusätzlichen Telefonnummer zur Meldung von Verdachtsfällen und ein Online-Meldeformular.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Durchführung von Videosprechstunden. Hier sollten die Kassenärztlichen Vereinigungen übergangsweise Sonderregelungen einführen, d. h. Praxen die Durchführung auf "kurzem Dienstweg" erlauben. Zum einen wäre ein Kontakt mit den Patienten persönlicher möglich und die Videosprechstunde würde aufgewertet. Neben der Videosprechstunde kommt auch der Einsatz von Homeoffice-Arbeitsplätzen in der Arztpraxis in Frage. Homeoffice ist in der Arztpraxis durchaus auch für Medizinische Fach-
angestellte möglich und sinnvoll. Anrufe, Terminierungen etc. können auch außerhalb der Praxisräume erfolgen.

Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus ist die Tröpfcheninfektion. Zum Schutz der Mitarbeiter kann an den Empfangstheken z. B. eine Acrylglasscheibe installiert werden. Die Installation der Acrylglasscheibe ist im Vergleich zu den aktuellen Preisen zur Beschaffung von Schutzausrüstung gering. Natürlich bleibt die Händedesinfektion bei Betreten und Verlassen der Praxis als eine wichtige Maßnahme bestehen. Die Patienten sollten dazu aktiv aufgefordert werden.

Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Gesundheitsämtern und vor allem die gemeinsame Abstimmung ist essenziell. Von der Möglichkeit einer zentralen Abstrichstelle bis hin zu einem Abstrich-Fahrdienst, gerade in ländlichen Gebieten, sind unterschiedliche Regelungen denkbar und werden von den Kassenärztlichen Vereinigungen unterstützt. Allen bleibt gemeinsam, dass Hausärzte in dieser schwierigen Situation aktuell gefordert und gleichzeitig gefragt sind und vor allem sein werden.

Bei allen Maßnahmen geht es nicht um "Panikmache", sondern um Verantwortung und Ver-nunft. Durch Aufklärung und Erklärung sowie die genannten Maßnahmen zeigen Hausärzte ihr Verantwortungsbewusstsein.



Autor:

Stefan Spieren MBA

Facharzt für Allgemeinmedizin, Facharzt für Allgemeinchirurgie,
Lehrbeauftragter der Universitäten Göttingen und Witten/Herdecke, Lehrarzt der Universitäten Düsseldorf und Köln
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